Zweites Zeitalter - Lìnn Dha (1.386 LA bis ca. 2.499 LD)

Die Nachfahren der Shana verbreiteten sich in Shaendâra und bildeten unterschiedliche Gruppen und Stämme, von denen mit der Zeit immer weniger ihre einstigen magischen Fähigkeiten nutzten und sich stattdessen anderen Dingen widmeten. Je mehr sie sich aber von ihrer schöpferischen Quelle entfernten, desto kürzer wurde ihre jeweilige Lebensspanne, bis viele von ihnen sogar sterblich wurden.  

 

Neben den acht Großreichen, die in dieser Zeit entstanden, besiedelten die Menschen in Shaendâra im Laufe der Jahrhunderte auch einige  Inselgemeinschaften, die sich ihre Eigenständigkeit bewahrten. Nähere Informationen zu den Reichen finden sich hier

 

Die Flamme der Seelen strahlte im Verborgenen zum Schutze Shaendâras und das Wissen über ihre Macht und ihren Standort wurde von Amh'yar und den ihm folgenden Paith'an'Leawha bewahrt, bis zu der Zeit, als Ûussa über die Flamme wachte.

 

Ûussa war stets ein eifriger Schüler der Leann Sol, der Lehren des Lichts, gewesen und sein Aufstieg in der Rangordnung unter den Zauberern war rasch erfolgt, wobei er doch ein bescheidener Diener geblieben war.

Einige Jahre vor seiner Ernennung zum Paith'an'Leawha war er durch die Lande gezogen, um sich einen Lehrling zu suchen. Sìdhor und sein Bruder Feargûll hatten soeben als Jahrgangsbeste ihre magische Grundausbildung beendet und in den nächsten Wochen beobachtete Ûussa die beiden sehr genau, um ihr Inneres zu erforschen.

Sìdhor war ein friedliebender Mensch, der das Leben achtete und er schien Ûussa ein würdiger Kandidat zu sein. Auch Feargûll saugte begierig die Worte des Zauberers auf, doch erkannte Ûussa den Schatten, der hinter seinen Augen und frommen Worten verborgen lag und richtete seine Aufmerksamkeit daher mehr auf Sìdhor.

 

In Feargûll schürte dies die Eifersucht auf seinen Bruder und rasend vor Zorn, zerstörte er dessen Hab und Gut. Anschließend trat er weinend vor Ûussa und bettelte darum, dass dieser ihn in der Magie unterweisen möge. Doch Ûussa, der seinen Verdacht bestätigt sah, lehnte ab. Am Tage des Aufbruchs, als Sìdhor das Haus seiner Familie mit Ûussa verlassen sollte, trat Feargûll erneut vor und gelobte, ein gehorsamer, fleißiger Schüler zu sein, der einzig dem Licht dienen wolle, wenn Ûussa ihn nur lehren würde. Als auch noch der Vater der beiden Jungen zu ihm trat und flehte, Ûussa möge doch beide Söhne mitnehmen, gab er nach und wider besseres Wissen durfte auch Feargûll ihn als Lehrling begleiten.

Schon bald sollte Ûussa erkennen, wie falsch seine Entscheidung gewesen war und welches Unheil sie über Shaendâra brachte.

 

 

Die Zweite Verdunkelung

Im Laufe ihrer Lehrzeit wurden Sìdhor und Feargûll mancher schweren Prüfung unterzogen, um den wahren Kern ihres Herzens zu offenbaren und Feargûll gelang es immer weniger, die düsteren Absichten, die Ûussa bereits zuvor in seinen Augen erkannt zu haben glaubte, zu verbergen.

 

Nachdem Ûussa im Jahre 1.998 LD zum nächsten Hüter der Flamme bestimmt worden war, versuchte Feargûll immer wieder, die magische Kraft der Flamme zu ergründen, um sie sich zu Eigen zu machen und spionierte heimlich nach ihrem Aufenthalt. Inzwischen hatten beide Brüder ihre Lehrlingsjahre beendet und trugen den Titel Adepto, was »Gelehrter« bedeutet.

Sìdhor wurde obgleich seines jungen Alters, auf Ratschlag Ûussas hin, der ihm vertraute und seine Entwicklung mit Freude betrachtete, direkt in den Tar Istyr berufen. Feargûll aber, wurde der Zutritt verweigert und der Weg zum Wissen um die Macht der Flamme blieb ihm versperrt. Wutentbrannt verließ er den Magiertempel, schwörend, dass er eines Tages Rache nehmen werde und es dauerte nur elf Jahre, bis er dieses Versprechen auf grausamste Weise einlöste.

 

Für Drywain und Ealadh, zwei Mitglieder des Inneren Zirkels, war der Tag gekommen, an dem sie ihre Körper verlassen und zu ihren Brüdern und Schwestern in die Gemeinschaft der Seelen eingehen wollten.

Feargûll, der sich durch einen Wandlungszauber Zugang in den Tempel verschafft hatte, mischte sich unbemerkt unter die Anwesenden, die sich zu einer feierlichen Zeremonie versammelt hatten. In dem Moment, als Drywains und Ealadhs Seelen aus deren Körpern emporstiegen, legte er einen magischen Schleier über den Raum und verhinderte so, dass sie den Weg in die Flamme fanden. Rasch fing er die zwei Seelen mithilfe seiner dunklen Beschwörungen ein und verschwand mit einem lauten Knall, während die Mauern hinter ihm zusammenstürzten und viele unter sich begruben.

 

Finster war dieser Tag in der Geschichte Shaendâras und ein Schatten schob sich wie eine schwere Decke langsam über den Himmel, alles Licht und jede Hoffnung einhüllend.

Mehrere hundert Jahre vergingen so, in denen weitere Seelen geraubt und in der Dunkelheit gefangen gehalten wurden, während die Paith'an'Leawha machtlos blieben.

 

Im Frühjahr 2.017 LD ernannte der Tar Istyr Sìdhor zum Nachfolger Ûussas, dessen Seele nach Verlassen seines Körpers aus Scham über das Unheil, dass er herbeigeführt hatte, nicht in die Flamme eingegangen war, sondern sich in der Finsternis quälte.

 

Feargûll indessen zeugte mit der Hexe Cyldra seinen Sohn Zorlêw den Eroberer, der noch machtgieriger war, als sein Vater und diesen daher ermordete. Weit im Nordosten erbaute er sich eine Festung, in deren tiefen Katakomben er die grauenhaften Rak'Zhâr, Monster mit entstellten Fratzen und scharfen Klauen, blutrünstige Bestien, stets begierig nach frischem Fleisch, erschuf.

Viele – Menschen und auch andere – Geschöpfe Shaendâras fielen diesen Untieren zum Opfer, deren bloßer Name bei jedem, der ihn hörte, Angst und pures Entsetzen hervorrief und die Dunkelheit breitete sich beinahe über ganz Shaendâra aus.

 

Sìdhor und die übrigen Zauberer des Lichts kämpften gemeinsam mit den Drachen vom Dol Bînn und dem Elfenvolk dagegen an, während die Menschen verstreut und uneinig, jedes Reich für sich, nach Rettung suchten.

Erst im Jahr 2.476 LD gelang es Aeghal, dem König des Westreiches, die Menschen von Drâea, Uskûndor und Likhana zu vereinen. Am Stein des Eides leisteten die Völker Shaendâras ihren Schwur, einander im Kampfe gegen den dunklen Schatten beizustehen, bis die Finsternis vertrieben sei und wieder Frieden in ihrer Welt herrsche.

 

Es sollte 23 Jahre dauern und hohe Verluste fordern, bis sie ihren Eid erfüllen konnten.